Viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben Schwierigkeiten mit Mathematik. In dieser Folge des didacta Bildungspodcast spricht Susanne Prediger, Professorin für Mathematikdidaktik an der TU Dortmund, über die Ursachen, mögliche Lösungen – und warum Verstehensorientierung so wichtig ist.
28.11.2025
Bundesweit
Artikel
Martin Stengel
Warum fällt vielen Schülerinnen und Schülern der Mathematikunterricht so schwer? Und was können Eltern, Lehrkräfte, Politik und Schülerinnen und Schüler selbst tun, damit Mathe nicht länger ein „Problemfach“ bleibt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Prof. Dr. Susanne Prediger, Professorin für Mathematikdidaktik und fachbezogene Professionalisierungsforschung an der TU Dortmund. Im Interview mit Martin Stengel beschreibt sie, woher die Angst vor Mathe kommt, warum Verstehensorientierung so wichtig ist und wie Künstliche Intelligenz auch den Matheunterricht verändern könnte.
Das Gespräch führte Martin Stengel am 24. Oktober 2025.
Martin Stengel: Frau Prediger, ich würde gerne einmal mit einer kurzen Bestandsaufnahme starten. Ich habe ja gerade eben schon einmal die aktuellen PISA- und IQB-Bildungstrend-Ergebnisse angesprochen. Wo liegen aus Ihrer Sicht denn die Hauptursachen für diese Leistungsprobleme?
Susanne Prediger: Auch die Ergebnisse sind wirklich beunruhigend. Das muss man sich mal klar machen. Ein Drittel der deutschen Neuntklässlerinnen und Neuntklässler erreichen die Mindeststandards nicht. Also, da hat jemand festgelegt, was ist das Allerwichtigste, was man lernen soll in Mathe, um überhaupt im Leben klar zu kommen – und ein Drittel schafft das nicht. Und, selbst wenn man das Niveau höher anguckt, wie viele schaffen das, was eigentlich gelernt werden sollte? Wir nennen das die Regelstandards. Das ist auch nur ein Drittel, die überhaupt die Regelstandards erfüllen. Und selbst am Gymnasium erreichen nur zwei Drittel diese Regelstandards. Ein Drittel der Gymnasiasten lernt einfach nicht das, was gelernt werden soll. Und das sind echt beunruhigende Zahlen. Die sind auch deutlich schlimmer geworden, als sie vorher waren. Außerdem sind es zehn Prozentpunkte mehr, die die Mindeststandards nicht erreichen. Schnell die Hälfte drauf. Das ist Wahnsinn.
Hier können Sie die aktuelle Folge des didacta-Podcasts anhören:
Woran liegt das? Das ist nicht so ganz einfach. Auch bei den letzten Ergebnissen von PISA und dem Bildungstrend, der sich auf die Viertklässler bezog, konnten wir uns noch rausreden, dass es sich um Coronaschäden handelte. Aber, das sind ja jetzt hier Daten, die sind im Jahr 2024 erhoben, also, drei Jahre nachdem Corona eigentlich wieder zu Ende war. Das sind diejenigen Schülerinnen und Schüler, die zu Beginn der Pandemie in der Klasse fünf waren. Natürlich haben die da einen Schaden mitgenommen, aber dass man den nicht bearbeiten kann, das ist ja das eigentliche Problem. Die Hauptschwierigkeit ist, dass, wenn es irgendwo knirscht, wir lieber die Augen zumachen, als dass wir genau hingucken, was da los ist und an den konkreten Problemen arbeitet.
Martin Stengel: Das heißt, Corona können wir jetzt nicht mehr benutzen, um diese schlechten Ergebnisse schönzureden. Auf der anderen Seite sind ja auch einige Aufholprogramme im Nachgang gestartet. Da würde mich interessieren, haben die denn aus Ihrer Sicht etwas gebracht oder sind die einfach, in Anführungsstrichen, verpufft?
Susanne Prediger: Außerdem kommt es sehr darauf an, was das für Aufholprogramme waren. Einige Bundesländer haben Gutscheine für Nachhilfeunterricht verschenkt. Das ist echtes Geld. Wir haben sehr wohl empirische Beweise dafür, dass, wenn ein gezieltes Förderprogramm ausgebracht wird, an der Schule, dass das den Kindern genutzt wird. Außerdem sind die Programme an sich wirksam. Aber was in Deutschland nicht gelingt, ist, das Programm an die Schulen zu bringen. (…).
Das komplette Gespräch finden Sie auf Spotify, Apfel und Deezer.

