Ohne Entlastung keine Entwicklung – Schulleitungen am Limit!

Eine repräsentative forsa-Umfrage unter mehr als 1.300 Schulleitungen zeigt, dass die Leitungszeit der Schulleitungen viel zu gering ist. Die drängendsten Herausforderungen stagnieren seit Jahren auf einem hohen Niveau – und werden von Politik nicht gelöst.


28.11.2025

Bundesweit

Pressemeldung

Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE)


  • © Adobe Stock

    Nur ein Prozent der befragten Schulleitungen hält die ihnen zur Verfügung stehende Leitungszeit für ausreichend.

repräsentative Befragung unter 1.312 Schulleitungen durchführen. Die Ergebnisse präsentiert der stellvertretende Bundesvorsitzende und Kongressverantwortliche des VBE, Tomi Neckov, am Freitag in Düsseldorf.

Leitungszeit

Erstmals wurden Schulleitungen im Rahmen der diesjährigen Umfrage danach befragt, ob die ihnen zugestandene Leitungszeit ausgereicht wurde, um die Leitung und Weiterentwicklung der Schule sicherstellen zu können. Der Befund ist klar: Nur ein Prozent der Schulleitungen hält die ihnen zur Verfügung stehende Leitungszeit für ausreichend. 82 Prozent sagen klar: Die Zeit reicht nicht, um Schulen gut zu führen und weiterzuentwickeln. Tomi Neckov: „So kann Schule den Anforderungen, die an sie gestellt wird, nicht gerecht werden. Wir fordern keinen Luxus, sondern die Grundlage für gute Bildung.

Berufszufriedenheit

Im Bereich der Belastungsfaktoren und Verbesserungswünsche stagnieren die Befunde seit Jahren auf einem hohen Niveau. Zwar geben weiterhin 85 Prozent an, ihren Beruf sehr oder eher gerne auszuüben, doch nur rund die Hälfte würde den Beruf aktiv weiterempfehlen – ein Wert, der sich seit 2021 kaum verbessert hat. Belastungsfaktoren wie das stetig wachsende Aufgabenspektrum (96 Prozent), steigende Verwaltungsarbeiten (93 Prozent), fehlende Zeitressourcen (92 Prozent) und der Erwartungsdruck, gesellschaftliche Probleme lösen zu sollen (95 Prozent), führen dazu, dass gut ein Drittel der Schulleitungen ihre Aufgaben nur noch gelegentlich oder nie zur eigenen Zufriedenheit erfüllen kann. Neckov kommentierte: „Leider können wir keine Verbesserungen erkennen. Schulleitungen leiden seit Jahren unter den gleichen Missständen und eine Verbesserung lässt weiter auf sich warten. Dies wäre selbst ohne die zusätzlichen Herausforderungen, die immer wieder auf die Schulen abgewälzt werden, ein Armutszeugnis.

In der aktuellen VBE-Umfrage werden erstmals gezielt Motive erfasst, warum Schulleitungen ihren Beruf weiter ausüben, obwohl sie diesen vermutlich nicht weiterempfehlen würden. 36 Prozent derjenigen, die keine Weiterempfehlung aussprechen, geben als wichtigsten Beweggrund an, wegen der Kinder bzw. der Schülerinnen und Schüler weiterhin im Amt zu bleiben; Für 30 Prozent ist das Kollegium entscheidend, 25 Prozent bleiben aufgrund ihres Willens, Schule zu gestalten. Weitere Motive sind Verantwortungsgefühl (12 Prozent), Freude an der Arbeit (9 Prozent), Sinnhaftigkeit der Tätigkeit (9 Prozent) und Berufung (7 Prozent). Tomi Neckov betont: „Die Bildungsministerien können froh und dankbar sein, dass Schulleitungen trotz all der Herausforderungen und Krisen nicht das Handtuch werfen. Sie machen weiter: Im Sinne der Schülerinnen und Schüler, aufgrund des starken Teams, das sie leiten oder aufgrund ihres unbedingten Willens, Schule doch noch positiv gestalten zu können. Hätten wir nicht so engagierte Kolleginnen und Kollegen, stunden wir heute vor noch deutlich größeren Herausforderungen.“

Lehrkräftemangel und schulformspezifische Herausforderungen

Die aktuelle Umfrage zeigt zudem, dass auch der Lehrkräftemangel ein zentrales Problem für Schulleitungen bleibt. Die öffentlichkeitswirksam präsentierte Lösung des Lehrkräftemangels aufgrund demografischer Entwicklungen ist in den Schulen bislang nicht angekommen. Im Schnitt fehlen pro Schule 1,4 Lehrkräfte. Da allerdings 47 Prozent der Schulen alle Stellen besetzen konnten, bedeutet dies, dass die betroffenen Schulen umso mehr offene Stellen zu beklagen haben. Zudem hat es hier im Vergleich zu den letzten Jahren nur marginale Verschiebungen gegeben (2024: 1,2 offene Stellen; 2023: 1,5 offene Stellen). Besonders hoch ist die Belastung an Förderschulen, wo im Durchschnitt 4,1 Stellen pro Schule unbesetzt sind. Auch hier gilt: Fast ein Viertel der Förder- und Sonderschulen konnten alle Stellen besetzen. Dort wo Mangel herrscht, trifft es die Schulen umso härter. Bundesweit gibt ein Viertel der Schulleitungen an, ihre Schule werde künftig sehr stark vom Lehrkräftemangel betroffen sein. Obwohl der Anteil im Vergleich zu 2022 (43 Prozent) zurückgegangen ist, bleibt die Einschätzung alarmierend. Auch hier ist die Belastung an Förderschulen besonders hoch, wo 43 Prozent der Schulleitungen erwarten, zukünftig sehr stark durch den Lehrkräftemangel betroffen zu sein. Neckov nimmt die Politik in die Pflicht: „Der Lehrkräftemangel bleibt das Problem unserer Zeit. Es reicht nicht aus, wenn die Politik sich darauf verlässt, dass es in ein paar Jahren möglicherweise besser werden soll multiprofessionelle Teams.“

Die besonderen Herausforderungen der Förderschulen nehmen er kritisch in den Blick: „Politik muss den Hebel weiter und stärker dort ansetzen, wo der Bedarf am höchsten ist. Das Startchancenprogramm ist ein sehr guter Ansatz – die Bürokratie, die dahintersteckt, leider nicht. Wir dürfen diejenigen, die am dringendsten auf unsere Hilfe angewiesen sind, nicht im Stich lassen.“

Fort- und Weiterbildung

In diesem Jahr wurde ebenfalls erstmals erfragt, worauf Schulleitungen bei staatlichen Fortbildungsangeboten Wert legen. Demnach wünschen sich Schulleitungen mehrheitlich vor allem Planbarkeit in Form fester Zeitfenster, um eine regelmäßige Struktur für Fortbildungen festzulegen (59 Prozent) und eine bessere inhaltliche Ausrichtung der Angebote auf die Herausforderungen der Schulleitung (53 Prozent). Gut ein Drittel der Schulleitungen bemängelt allerdings auch die Qualität des derzeitigen Fortbildungsangebots und ein mangelhaftes Fortbildungsbudget. Immerhin noch mehr als jede zehnte Schulleitung wünscht sich schlichtweg mehr Angebote.

Fazit

Bei all den genannten Herausforderungen wundert es sich nicht, dass Schulleitungen wenig zufrieden mit der Schulpolitik sind. Mehr als acht von zehn Schulleitungen sind eher oder sehr unzufrieden. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die mangelnde Berücksichtigung der tatsächlichen Schulrealität durch politische Entscheidungen, ungünstige finanzielle und personelle Ausstattung sowie den mangelnden Rückhalt für Schulleitungen in ihren Aufgaben. VBE-Vize Tomi Neckov fordert: „Wir brauchen eine nachhaltige Bildungspolitik, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen an Schulen deutlich verbessert. Dazu gehören eine ausreichende personelle Ausstattung, mehr Leitungszeit und Anrechnungsstunden für Schulleitungen, gezielte Fortbildungsangebote sowie ein entschlossener Bürokratieabbau. Die Politik muss die Stimme der Schulleitungen ernst nehmen und echte Handlungsspielräume schaffen, um die vielfältigen Herausforderungen im Bildungsalltag zu bewältigen und die Qualität der schulischen Arbeit langfristig zu sichern.“



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