
Die hohen Temperaturen im Juni haben viele Orte deutlich gemacht, wie stark – insbesondere in Prüfungszeiten – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen unter Hitze in Schulgebäuden leiden. Aus Sicht des bpv besteht definitiver Handlungsbedarf.
16.07.2026
Bayern
Pressemeldung
Bayerischer Philologenverband (bpv)
„Wer in einem überhitzten Klassenzimmer unterrichtet, lernt oder geprüft wird, weiß: Hitze ist keine Komfortfrage, sondern beeinträchtigt Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden erheblich“, erklärt Michael Schwägerl, Vorsitzender des bpv.
Gleichzeitig warnen Schwägerl davor, die Diskussion über Temperaturwerte oder die Frage nach einer flächendeckenden Klimatisierung aller Schulen zu verengen: „Temperaturen sind ein wichtiger Indikator und müssen ernst genommen werden. Sie allein beschreiben aber noch nicht, wie stark ein Raum die Menschen darin tatsächlich beeinträchtigt. Sonneneinstrahlung, Luftqualität, Luftbewegung, Feuchtigkeit und die Beschaffenheit des Gebäudes spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.“
Gerade hier sieht der bpv einen erheblichen Informationsbedarf. Viele Lehrkräfte, Schulleitungen und Sachaufwandsträger sind bisher kaum oder wenig mit den Grundlagen des thermischen Komforts vertraut – eine Folge fehlender Informationen und fehlender Unterstützung.
„Die Verantwortung einfach an die Schulen weiterzureichen, wird dem Problem nicht gerecht. Damit Schulleitungen vor Ort im Zusammenspiel mit ihren Sachaufwandsträgern geeignete Entscheidungen treffen, müssen ihnen auch wissenschaftlich fundierte und leicht anwendbare Hilfen zur Verfügung stehen“, fordert der Verbandsvorsitzende. „Kein Pflichtkonzept für die Schublade, sondern einen praxisnahen Hitzeschutz-Werkzeugkasten für Schulen. Dieser soll wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich aufbereiten und konkrete Handlungsmöglichkeiten für verschiedene Situationen aufzeigen.“
Dazu gehören zur Meinung des bpv unter anderem:
- die Ermittlung besonders belasteter Räume,
- die Nutzung geeigneter Ausweichräume,
- die Umsetzung intelligenter Lüftungsstrategien,
- die Berücksichtigung von Luftqualität und CO₂-Belastung,
- organisatorische Maßnahmen bei stärkerer Hitze,
- der gezielte Einsatz von Luftbewegung durch Ventilatoren,
- wirksame Verschattungsmöglichkeiten,
- sowie langfristige Investitionen in klimaangepasste Schulgebäude inklusive Außenflächen.
Der bpv weist darauf hin, dass insbesondere der Einfluss der Luftbewegung in der öffentlichen Diskussion häufig unterschätzt werde. Schwägerl stellt klar: „Viele Menschen verbinden Ventilatoren noch immer mit Zugluft oder gesundheitlichen Problemen. Das ist bei niedrigen Lufttemperaturen sicherlich nachvollziehbar. Tatsächlich können sie aber bei Temperaturen nahe 30 Grad einen physiologisch wirksamen Kühleffekt auf den Menschen erzeugen und dazu beitragen, die Hitzebelastung deutlich zu verringern. Sie ersetzen jedoch weder Sonnenschutz noch bauliche Verbesserungen und schon gar nicht notwendige Investitionen in die Schulgebäude Mittelfristige Investitionen in Verschattung, Lüftung und Begrünung sowie langfristig eine konsequente klimaangepasste Sanierung des Gebäudebestandes.“
Zudem sollte geprüft werden, wie jede Schule zumindest über einzelne hitzegeschützte oder gekühlte Räume verfügen kann. Diese könnten insbesondere für Prüfungen, Abschlussarbeiten, Konferenzen oder gesundheitlich besonders belastete Personen genutzt werden.
Schwägerl abschließend: „Es darf nicht der Eindruck entstehen, es gäbe nur die Wahl zwischen Nichtstun und der vollständigen Klimatisierung aller Schulgebäude. Es gibt zahlreiche wirksame Maßnahmen dazwischen. Ebenso klar ist aber auch: Die Hitzebelastung an vielen Schulen ist real. Wer gute Bildung will, muss für gute Lern- und Arbeitsbedingungen sorgen.“
