
Der PhV BW setzt sich dafür ein, dass die Zukunftsängste der Referendare ernst genommen werden. Die demografische Entlastung muss genutzt werden, um über eine 115-prozentige Lehrerversorgung und eine Anpassung des Organisationserlasses die Bildungsqualität spürbar zu stärken.
23.07.2026
Baden-Württemberg
Pressemeldung
Philologenverband Baden-Württemberg
Der Philologenverband Baden-Württemberg (PhV BW) begrüßte die dem Kultusministerium offenbar am Herzen liegende neue „Willkommenskultur“ und wundert sich daher umso mehr. „Warum“, so fragen die Jungen Philologen (JuPhi) im Philologenverband Baden-Württemberg, „bleiben für den gymnasialen Lehrkräftenachwuchs gerade dann die Tore verschlossen?“
„Unsere Referendarinnen und Referendare haben eine langjährige, anspruchsvolle Ausbildung hinter sich und stehen bereit, die hohe Qualität an unseren Gymnasien zu sichern. Das aktuelle, spärliche Stellenangebot ist mehr als enttäuschend für diese motivierten jungen Menschen“, so Martina Scherer, Landesvorsitzende des PhV BW.
Gleichzeitig betont Scherer, dass der PhV BW die grundsätzlichen Bemühungen des Kultusministeriums ausdrücklich anerkennt und unterstützt: „Wir sehen positiv, dass das Ministerium das Einstellungsverfahren benutzerfreundlicher gestalten möchte und vorausschauend nach den Gründen für Nicht-Bewerbung forscht. Das ist der richtige, moderne Ansatz. Dass das geplante Nachbarbundesländerverfahren in diesem Jahr an der fehlenden Zustimmung anderer Bundesländer gescheitert ist, zeigt jedoch, dass wir uns auf solche Absprachen nicht verlassen können Hausaufgaben machen.“
Ein aktueller Brandbrief von Referendarinnen und Referendaren des Seminars Stuttgart zeigt die Enttäuschung des frisch ausgebildeten Lehrkräftenachwuchses. Zusammenfassend kann man festhalten: „Die Junglehrer sind gekommen, um weggeschickt zu werden“, so die Jungen Philologen.
Für eine nachhaltig positive Wende bei der Einstellung der Referendare gäbe es klare Hebel: Die PhV BW fordert seit langem eine Lehrerversorgung von 115 %. Nach Überzeugung des Verbands sollten die Schulleitungen die freien zusätzlichen Stellen eigenverantwortlich für sinnvolle Maßnahmen (etwa für Arbeitsgemeinschaften, Fördermaßnahmen oder Klassenteilungen) einsetzen können. Hierfür wäre eine Änderung des Organisationserlasses dringend erforderlich und ein wichtiges und richtiges Zeichen für die Zukunft der Bildung. Die Schulleitungen müssen die Möglichkeit bekommen, die gute Lehrkräfteversorgung für die Bildung kleinerer Klassen, Förderangebote, AG, Anrechnung für außerschulische Aufgaben usw. zu nutzen. Das könnte die Einstellungsmöglichkeiten verbessern. Dafür müssen aber auch die Schulverwaltungsprogramme ASV und UPM entsprechend weiterentwickelt werden. Diese Möglichkeiten sind zurzeit sehr beschränkt, weshalb Lehrkräfte teilweise sogar genötigt werden, Unterstunden zu akzeptieren.
Die Stellenangebote sind mehr als spärlich und die vom Land erwünschte Umsattelung der Referendare auf eigentlich profilfremde Schularten, wie z. B. Gemeinschaftsschulen oder Realschulen, sind für die meisten wenig verlockenden Angebote.
„Was die Referendarinnen und Referendare bei den Stellenausschreibungen sang- und klanglos schlucken sollen, ist eine herbe Enttäuschung“, erklärt der stellvertretende JuPhi-Landesvorsitzende Maximilian Röhricht. „Nach den nicht enden wollenden Debatten über den Lehrkräftemangel der vergangenen Jahre werden nun die ambitionierten und hervorragend ausgebildeten Gymnasiallehrkräfte erneut mit einem unzureichenden Stellenangebot und falschen Versprechungen vor den Kopf gestoßen. Die Folge ist eine Mischung aus Existenzängsten und völliger Frustration. Soll so etwa ein gelungener Start in den neuen Beruf aussehen?“
