
Im Frühjahr 2016 startete das Programm „Sprachentdecker“ zur Sprachbildung und -förderung in Kita und Grundschule, das an der Goethe-Universität entwickelt wurde. Nachdem es sich zunächst in Frankfurt, dann in ganz Hessen bewährt hat, wird das Programm nun nach zehn Jahren verstetigt.
28.05.2026
Hessen
Pressemeldung
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Initiiert durch die ODDO BHF Stiftung Frankfurt, entwickelte Diemut Kucharz, Professorin für Pädagogik der Elementar- und Primarstufe an der Goethe-Universität, in Kooperation mit der Stiftung und dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten, ein neues Sprachförderkonzept. Dessen Ziel war es, Kinder durchgängig von der Kita bis in die Grundschule alltagsintegriert sprachlich im Deutschen so zu fördern, dass sie erfolgreich an Bildung teilhaben können. Alltagsintegriert bedeutet: Statt expliziten sprachlichen Förderunterricht zu vermitteln, werden die Kinder im regulären Unterricht und Kitaalltag gezielt sprachlich gefördert. Eine weitere Besonderheit an dem Programm: Kita- und Grundschulpädagoginnen lernen in gemeinsamen Fortbildungsveranstaltungen, auf diese Weise entsteht mehr Nähe und Abstimmung zwischen den Bildungseinrichtungen.
Was im Frühjahr 2016 mit 14 Kita-Fachkräften und sechs Grundschullehrkräften aus neun Frankfurter Einrichtungen begann, erwies sich bald als erfolgreich. Während eines Jahres wurden die Pädagoginnen in Bereichen wie Erst- und Zweitspracherwerb, Anwendung von Sprachfördertechniken, individuelle Sprachförderplanung sowie Kooperation mit Eltern in einem mehrsprachigen Umfeld geschult. Zusätzlich wurde jede Teilnehmerin in ihrer praktischen Arbeit mit Kindern gecoacht, um die erlernten Sprachlehrstrategien auch richtig umsetzen zu können. Jedes Jahr kamen neue Fach- und Lehrkräfte aus diesen und weiteren Kitas und Grundschulen hinzu, um alltagsintegrierte Sprachförderung zu erlernen.
Aufgrund der Förderung durch die ODDO BHF Stiftung konnte die Qualifizierungsmaßnahme kostenfrei angeboten werden, die Stiftung baute auch die Kosten der Evaluierung in den ersten drei Jahren auf. Tests und Befragungen zeigen, dass die Pädagoginnen ihre Sprachförderkompetenzen signifikant steigern konnten, gleichzeitig sank der Anteil von Kindern mit Sprachförderbedarf im Deutschen innerhalb eines Jahres auf unter die Hälfte. Die Stiftung verlängerte ihre Förderung daraufhin um weitere drei Jahre.
Für die Jahre 2022 bis 2025 kamen als weitere Förderer das Dezernat Bildung, Bauen und Immobilien der Stadt Frankfurt sowie die hessischen Ministerien für Kultus und Soziales hinzu. Das Programm konnte auf ganz Hessen ausgeweitet werden, nun gingen zwei Gruppen mit je 20 Teilnehmenden gleichzeitig in Fortbildung und Coaching. Form und Inhalte der Fortbildungen wurden aber immer wieder leicht verändert und angepasst. Nach nunmehr zehn Jahren sind deutlich mehr als 200 Pädagoginnen und Pädagogen im Programm Sprachentdecker fortgebildet und gecoacht worden, rund 3000 Kinder haben davon ausgebildet.
„Ich freue mich über die langjährige Unterstützung durch verschiedene Förderer. Aber nun sind wir doch sehr erleichtert, dass das Kultusministerium die Finanzierung übernimmt“, sagt Diemut Kucharz, die mittlerweile Professorin im Ruhestand ist. Joanna Mankowska-Diwersy, Abgeordnete der Hessischen Lehrkräfteakademie, hat die operative Leitung inne und bildet selbst auch pädagogische Kräfte fort. Parallel dazu wird nun auch eine Qualifizierung für Multiplikatorinnen angeboten, um mehr und flexiblere Fach- und Lehrkräfte für Sprachentdecker fortzubilden und zu coachen. Auch diese Qualifizierung ist an der Hessischen Lehrkräfteakademie angesiedelt und dauert etwa ein Jahr. Im jetzt abgeschlossenen ersten Fortbildungsdurchgang wurden sechs Multiplikatorinnen ausgebildet, die bereits 75 Pädagogen und Pädagoginnen qualifiziert haben. Für Herbst 2026 werden bereits Bewerbungen für diese Multiplikatorenqualifizierung angenommen.
Der Bedarf an frühkindlicher und durchgängiger Sprachbildung und -förderung im Deutschen ist nach wie vor hoch, schaut man sich die Ergebnisse der aktuellen Leistungsvergleichsstudien an. Nicht nur bei manchen Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, sondern auch bei solchen aus bildungsferneren Familien zeigt sich zweifellos ein Sprachförderbedarf. Der alltagsintegrierte Sprachförderansatz erlaubt es Erzieherinnen, Erziehern und Lehrkräften, die Kommunikation mit allen Kindern in ihrem Umfeld sprachförderlich und -anregend zu gestalten, so dass die Kinder nahezu beiläufig ihre Sprachkompetenzen im Deutschen aufbauen können.
