
Die Daten der Langzeitstudie „Inklusion in und nach der Sekundarstufe I in Deutschland“ (INSIDE) stehen der wissenschaftlichen Gemeinschaft ab sofort zur Verfügung. Parallel wurde ein Positionspapier mit Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Weiterentwicklung inklusiver Bildung in Deutschland veröffentlicht.
29.06.2026
Bundesweit
Pressemeldung
LIfBi Leibniz-Institut für Bildungsverläufe
Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 hat sich Deutschland zu einem inklusiven Bildungssystem verpflichtet. Grundsätzlich werden Schülerinnen und Schüler mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf zunehmend gemeinsam an allgemeinen Schulen unterrichtet. Doch insbesondere für die Sekundarstufe I sowie für die anschließenden Übergänge in Ausbildung, weiterführende Bildungsgänge oder das Berufsleben bestehen erhebliche Forschungsbedarfe zum Lernen inklusiver Bildung und zu den Bildungswegen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe.
INSIDE liefert erstmals Daten zum Stand der schulischen Inklusion
Hier setzt die INSIDE-Studie an, die zwischen 2019 und 2024 insgesamt fünf Erhebungswellen durchgeführt hat, um den Stand der schulischen Inklusion in und nach der Sekundarstufe I zu erfassen. Zu Beginn nahmen mehr als 4.500 Schülerinnen und Schüler der sechsten Jahrgangsstufe, mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarfen, teil. Neben wiederholten Befragungen wurden regelmäßig Kompetenztests durchgeführt. Darüber hinaus erfasste die Studie Informationen aus dem schulischen und familiären Umfeld durch Befragungen von Lehr- und Fachkräften, Schulleitungen sowie Eltern. Der nun verfügbare Datensatz enthält die aufbereiteten Längsschnittdaten aller fünf Erhebungswellen und steht der wissenschaftlichen Gemeinschaft kostenfrei für Analysen zur Verfügung.
Positionspapier formulierte bildungspolitische Empfehlungen
Zeitgleich mit der Datenveröffentlichung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des INSIDE-Projekts ein Positionspapier veröffentlicht, das zentrale bisherige INSIDE-Erkenntnisse für politische Entscheidungsträger aufbereitet. Im Fokus stehen dabei unterschiedliche Formen der Umsetzung inklusiver Bildung sowie deren Auswirkungen auf die schulische Entwicklung und die Bildungswege von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogische Förderbedarfe.
Auf Grundlage der bisherigen INSIDE-Ergebnisse empfehlen die Autorinnen und Autoren unter anderem ein breites Verständnis von Inklusion, das alle Schülerinnen und Schüler einbezieht und eine ganzheitliche inklusive Schulentwicklung unterstützt. Weitere Empfehlungen betreffen die verbindliche Zusammenarbeit von sonderpädagogischen und allgemeinpädagogischen Lehrkräften, die stärkere Verankerung des professionellen Umgangs mit Heterogenität in der Lehrkräftebildung sowie die Förderung sozialer Teilhabe, grundlegender Kompetenzen und überfachlicher Fähigkeiten.
Darüber hinaus formuliert das Positionspapier weitere bildungspolitische Empfehlungen. Dazu zählen die Entwicklung klarer Indikatoren für schulische Inklusionsziele, die stärkere Ausarbeitung inklusiver Konzepte insbesondere für Gymnasien sowie eine engere Zusammenarbeit von allgemeiner und sonderpädagogischer Lehrkräftebildung bereits an den Hochschulen.
INSIDE als Kooperationsprojekt
Die INSIDE-Studie wurde als gemeinsames Forschungsprojekt des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi), der Humboldt-Universität zu Berlin, der Bergischen Universität Wuppertal und der Universität Potsdam durchgeführt. Ziel der Studie war es, die Gelingensbedingungen inklusive Unterrichts sowie die Umsetzung und Auswirkungen inklusiver Bildung in Deutschland umfassend und längsschnittlich zu untersuchen. Die Erhebungen wurden bundesweit in 14 Bundesländern durchgeführt. Mit der Veröffentlichung des Scientific-Use-Files und des Positionspapiers werden die im INSIDE-Projekt gewonnenen Daten und Erkenntnisse sowohl für die wissenschaftliche Weiterarbeit als auch für die Diskussion über die zukünftige Ausgestaltung inklusiver Bildung in Deutschland zugänglich gemacht.
