
In den meisten Kinder- und Jugendzimmern ist Künstliche Intelligenz (KI) bereits Teil des Alltags – im schulischen Umfeld stellt sich aber die Frage, wie und in welchen Bereichen generative KI nützlich sein könnte. Diese Frage ging an das KI-Schulprojekt des Landes Schleswig-Holstein nach.
30.06.2026
Schleswig-Holstein
Pressemeldung
Technische Hochschule Lübeck
Am Projekt beteiligt war auch TH-Lübeck-Professor Sebastian Hobert. Nach Abschluss des Projektes liegt der Ergebnisbericht nun vor.
Nach einem Jahr Projektbegleitung im Schuljahr 2024/2025 und der anschließenden Evaluation stellt Bildungsministerin Dorit Stenke und Digitalisierungsminister und Chef der Staatskanzlei Dirk Schrödter am 26. Juni 2026 die Ergebnisse des KI-Modellprojekts Schleswig-Holstein vor. Dafür waren sie zu Gast an der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe, die als Pilotschule Teil des Projektes zur Erprobung generativer KI an Schulen war.
„Das KI-Modellprojekt hat gezeigt, wie Künstliche Intelligenz an Schulen sinnvoll werden kann. Entscheidend ist, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur lernen, KI anwenden, sondern auch die Möglichkeiten zu nutzen und Grenzen auszuloten“, sagte Stenke und fügt hinzu: „Der reflektierte Umgang mit KI erweitert die Bildungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler. Die Erfahrungen unserer Pilotschulen heute allen Schulen im Land.“
„KI-Technologien verbessern auch das Lernen und Lehren. Der bewusste Umgang mit KI muss daher bereits im Schulunterricht beginnen“, ergänzt Dirk Schrödter. „Schleswig-Holstein verbindet dabei Innovation mit Verantwortung: Wir schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Schulen moderne KI-Technologien sicher, datenschutzkonform und niedrigschwellig nutzen können.“
TH Lübeck als Teil des KI-Schulprojekts Schleswig-Holstein
Künstliche Intelligenz stellt im Bereich Schule und Unterricht dennoch eine relativ neue Entwicklung dar. Bisher gibt es nur wenig Feldforschung, bei der KI tatsächlich rechtskonform über einen längeren Zeitraum an Schulen eingesetzt wurde. Daher wirft die Nutzung von KI an Schulen ganz unterschiedliche Fragen auf.
Um diesen Fragen nachzuspüren wurde den beteiligten Pilotschulen mit dem Start des Projektes im Schuljahr 2024/2025 ein datenschutzkonformes KI-Tool durch das Land Schleswig-Holstein bereitgestellt. Dies wurde in der Online-Pinnwand Schleswig-Holstein (OP.SH) eingebaut und konnte von den bewährten Pilotschulen genutzt werden. Ein erster Schritt in Richtung digitales, KI-gestütztes Lernen und Lehren.
KI-Schulprojekt soll einen Überblick verschaffen
Das Schulprojekt zur Künstlichen Intelligenz verfolgte dabei zwei Ziele: Zum einen sollte ein exemplarischer Überblick über die Nutzung künstlicher Intelligenz im Schulunterricht in Schleswig-Holstein geschaffen werden. Zum anderen sollten Fragen zum Einsatz von generativer KI bei der Vor- und Nachbereitung und im Schulunterricht beantwortet werden.
Um diese Ziele zu erreichen, sollten drei Themenbereiche untersucht werden. Im ersten Themenbereich geht es darum, die Motivation, künstliche Intelligenz zu nutzen und darum, welche Erwartungen und Ziele Lehrkräfte mit dem Einsatz verbinden. Im zweiten Themenbereich sollten Anforderungen identifiziert werden, die sich für den Einsatz generativer künstlicher Intelligenz im Schulunterricht ergeben. Der dritte Themenbereich ging der Frage nach dem wahrgenommenen Nutzen und der Praktikabilität des Einsatzes von KI nach.
Die TH Lübeck begleitet die Evaluation des KI-Schulprojekts
Das KI-Schulprojekt wurde von einer Evaluation begleitet, die gemeinsam durch das Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein (IQSH) und der TH Lübeck durchgeführt wurde. Sebastian Hobert ist nicht nur Professor für Künstliche Intelligenz und Bildung an der Hochschule, sondern ebenfalls einer von insgesamt zwölf KI-Professoren des Landes Schleswig-Holstein. Die Landesregierung fördert diese KI-spezifischen Professuren seit 2023 über einen Zeitraum von fünf Jahren, um das Land auf dem Weg der digitalen Transformation weiter voran zu bringen.
Onlineumfragen und Interviews
Die Evaluation erfolgte hauptsächlich durch quantitative Online-Befragungen und qualitative Interviews mit ausgewählten Lehrkräften der beteiligten Pilotschulen. „Mein Schwerpunkt lag dabei hauptsächlich auf der Durchführung und Auswertung der Interviews“, sagte Hobert im Gespräch. Darüber hinaus war er aber auch am gesamten Evaluationsprozess, bei der vorgelagerten Gestaltung der Onlinebefragungen und als Co-Autor am Abschlussbericht beteiligt.
„Die qualitativen Interviews dienen der Ergänzung und sollten die Themen aus den Onlineumfragen noch einmal vertiefen“, erklärte er. Interviewpartner*in war jeweils eine Lehrkraft der Pilotschulen, die quasi als Multiplikator erfasste und die Eindrücke gesammelt einbrachte. „Die Teilnahme an den Befragungen war anonym und auf freiwilliger Basis“, so Hobert.
Insgesamt gab es drei Zeitpunkte, zu denen die Online-Umfragen und die Interviews stattfanden. Da die qualitativen Interviews ergänzend wirken sollten, fanden sie in der Regel nachgelagert statt. Aus den unterschiedlichen Erhebungen konnten die Autor*innen einige Kernaussagen extrahieren.
Kernaussagen nur Nutzung von KI an Schulen
An Hand der vorliegenden Daten zeigte sich unter anderem, dass die Zunahme der Kostenentwicklung im Projektverlauf dafür spricht, dass die Nutzung des KI-Tools kontinuierlich übernommen habe und insbesondere die Sprachmodelle mehr zur Unterrichtsvor- und Nachbereitung sowie von Schüler*innen genutzt wurden. Hinzu kommt, dass der Nutzen von KI bei der Unterrichtsvorbereitung als hoch eingeschätzt wurde – in diesem Zusammenhang wurde auch von einer deutlichen Arbeitserleichterung gesprochen.
Als Herausforderung sah ein Großteil der Befragten fehlende Beispiele für den konkreten und fachbezogenen Einsatz von KI sowie das Thema Halluzinationen bzw. die zum Teil nicht ganz faktengetreuen Antworten durch KI im Unterricht. Mehr als 80 Prozent würden laut den Befragungen ihrer Kolleg*innen den Einsatz von KI empfehlen und 86 Prozent wünschen sich, dass ihnen auch weiterhin ein KI-Tool zum Einsatz in Schule und Unterricht zur Verfügung gestellt wird*.
KI-Schulprojekt liefert erste Erkenntnisse zur KI-Nutzung
Aus den Ergebnissen des Schulprojekts wurden am Ende Erkenntnisse gewonnen, die für den weiteren Umgang mit generativer künstlicher Intelligenz im schulischen Kontext relevant sein könnten.
Grundsätzlich zeigen die Ergebnisse, dass das KI-Tool in unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten erprobt wurde – im Unterricht, auch in der Vor- und Nachbereitung. Die Nutzung des Tools war über den Projektzeitraum kontinuierlich zugekommen. Allerdings stellte sich auch heraus, dass die Ausgangspunkte und die damit verbundenen Erfahrungen zum Thema KI-Nutzung deutlich variieren.
Einer flächendeckenden Einführung eines KI-Tools für Schulen in Schleswig-Holstein stehen die meisten Befragten eher positiv gegenüber. Die von vielen Teilnehmenden wahrgenom-men Herausforderungen liegen allerdings nahe, dass ein vielfältiges und leicht zugängliches Unterstützungsangebot für eine Ausweitung der KI-Nutzung auf weitere Schulen sinnvoll wäre. Dafür bräuchte es ein umfangreiches, fachspezifisches, praxis- und toolnahes Schulungsangebot.
Eine weitere wichtige Erkenntnis: der Zeitfaktor. Schulen und Lehrkräfte benötigen ausreichend Zeit und Freiräume, um sich mit den bereitgestellten Tools, den Schulungsmöglichkeiten und damit verbundenen Einsatzgebieten auseinanderzusetzen und neue Unterrichtsformate entwickeln zu können.
KI-Schulprojekt als Grundlage weiterer Forschung
Im Rahmen des KI-Schulprojekts konnte demnach eine Reihe hilfreicher Erkenntnisse für den Einsatz von KI gewonnen werden. Sie ermöglichen es, die zukünftige Nutzung von KI unter Berücksichtigung der Bedarfe von Lehrkräften und Schüler*innen zu gestalten. Die Ergebnisse bieten eine Grundlage, auf der weitere Forschung aufgebaut werden kann, um sinnvolle pädagogische Konzepte zu entwickeln, Herausforderungen zu minimieren und das Persönliche bestmöglich zu schulen.
Die Erkenntnisse aus dem Modellprojekt sind bereits jetzt in die Entwicklung von der KI-Chatbot-Oberfläche eingeflossen, die seit November 2025 allen Schulen in Schleswig-Holstein kostenlos zur Verfügung steht und inzwischen unter dem Namen AIS.chat genutzt werden kann. Der erste Schritt vom Piloten in die Praxis ist damit getan.
