
Wie kann sich die pädagogische Praxis besser auf Kinder einstellen, die kein oder kaum Deutsch sprechen? Wie hilfreich sind frühe Sprachstandserhebungen, spezielle Integrationsklassen oder gar ein Kita-Pflicht? Diese Fragen beantwortet Barbara Mächtle, Leiterin der Gräfenau Grundschule, im bildungsklick-Interview.
06.05.2026
Bundesweit
Artikel
Anna Petersen
Wenn Kinder in der 1. Klasse erst einmal Deutsch lernen müssen, bleibt vielen nur die Möglichkeit, die 1. Klasse im Anschluss zu wiederholen. So geht es auch vielen Schülerinnen und Schülern der Gräfenau Grundschule in Ludwigshafen. Mit Redakteurin Anna Petersen spricht Schulleiterin Barbara Mächtle über den Alltag an ihrer Schule, den Umgang mit fehlenden kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten und darüber, was sie sich von der Politik wünscht.
Anna Petersen: Frau Mächtle, wie gut sind denn Grundschulen auf Kinder eingestellt, die kaum oder kein Deutsch sprechen?
Barbara Mächtle: Da sind die Grundschulen tatsächlich in meinen Augen nicht gut aufgestellt. Es fehlt ein Persönliches, um diese Kinder auffangen zu können, um ihnen die Deutschförderung zu geben, die sie bräuchten.
Bei ihnen wiederholen ja an der Schule viele Kinder die 1. Klasse. 2025 waren das circa 35 Kinder – und ich habe in einem Artikel gelesen, dass das auch nicht ungewöhnlich ist bei Ihnen. Das ist schon seit vielen Jahren so. Wie gehen Sie denn damit um?
Für uns ist es eine Chance für die Kinder, die wir den Kindern gerne geben möchten. Und auch Eltern sehen das tatsächlich als Chance, weil ein Kind, das nahezu ohne Deutschkenntnisse in die Schule kommt, braucht einfach mal Minimum ein Jahr, um sich einen Basiswortschatz zu erarbeiten. Und wenn der Basiswortschatz im 1. Schuljahr, sag ich mal, gelegt ist und es die 1.Klasse noch mal wiederholt, dann ist es für das Selbstbewusstsein der Kinder besser. Und auch natürlich aus unterrichtlicher Sicht kommt das Kind besser mit, auch in den anderen Fächern.
Aus Ihrer Erfahrung an Ihrer Schule wie könnte sich aus Ihrer Sicht die pädagogische Praxis denn besser auf Kinder einstellen, die kein oder kaum Deutsch sprechen?
Das hätte tatsächlich vor Schulbeginn geschehen müssen. Außerdem wird man ja die Kinder auch nicht dauerhaft aus ihrem Klassenverband rausreißen. Das ist im Moment so, weil es nicht anders möglich ist. Und wenn Kinder mit mehr Deutschkenntnissen einfach in die Schule kommen, wenn dieser ganze Prozess, den wir in der 1. Klasse durchführen müssen, wenn der vor Schulbeginn durchgeführt werden würde, hätten die Kinder eine bessere Chance beim Schuleintritt.
Vielleicht gehen wir noch mal auf ein paar verschiedene Maßnahmen ein, die auch in der Diskussion sind oder die teilweise auch schon umgesetzt werden, wie Sie die so beachten: Also, zum Beispiel spezielle Integrationsklassen oder eine Kita-Pflicht oder auch die Erweiterung von den Sprachstandtests in Kitas. (…)
