
Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) lehnte die vom Hessischen Kultusministerium geplante Kürzung der Altersermäßigung für Lehrkräfte ab.
27.04.2026
Hessen
Pressemeldung
Deutscher Lehrerverband Hessen
Die derzeitige Regelung sieht vor, dass Lehrkräften nach Vollendung des 55. Lebensjahres eine Pflichtstunde als Altersermäßigung gewährt wird und ab 60 Jahren zwei Pflichtstunden. Diese bewährte Maßnahme trägt den besonderen Belastungen des Lehrberufs Rechnung und ist Ausdruck von Wertschätzung gegenüber langjährig tätigen Pädagoginnen und Pädagogen. Nach Plänen von CDU und SPD soll die Altersermäßigung ab 55 Jahren ab dem nächsten Schuljahr wegfallen.
Die Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften umfasst weit mehr als reine Präsenzzeit im Klassenzimmer. Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen, Inklusionsaufgaben, Digitalisierung, individuelle Förderung sowie die zunehmende Heterogenität der Lerngruppen führen zu einer erheblichen Arbeitsverdichtung. Zahlreiche Studien belegen seit Jahren die hohe psychische und physische Belastung im Schuldienst. Gerade ältere Lehrkräfte tragen aufgrund ihrer Erfahrung besondere Verantwortung im Kollegium und übernehmen häufig zusätzliche Mentoren- und Beratungsaufgaben.
Die Altersermäßigung ist aus Sicht des dlh-Landesvorsitzenden Boris Krüger kein „Privileg“, sondern eine sachgerechte arbeitsorganisatorische Maßnahme zur Gesunderhaltung der Beschäftigten. Sie dienen der Prävention von Überlastung und vorzeitiger Dienstunfähigkeit. Angesichts des bestehenden Lehrkräftemangels wäre es widersinnig, eine Regelung abzuschaffen, die dazu beitragen, erfahrene Kolleginnen und Kollegen länger gesund und damit länger im Dienst zu halten.
Statt bewährte Entlastungsinstrumente zu streichen, fordert die dlh die Landesregierung auf, nachhaltige Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zu ergreifen. Dazu gehören eine spürbare Reduzierung außerunterrichtlicher Belastungen, der Abbau von Bürokratie sowie eine bessere personelle Ausstattung der Schulen.
„Wer die Altersermäßigung abschafft, spart kurze Stunden, riskiert aber langfristig höhere Krankheitszahlen und zukünftige Pensionierungen“, erklärt Boris Krüger. „Das ist weder bildungspolitisch klug noch verantwortungsvoll gegenüber den Lehrkräften, die seit Jahrzehnten engagiert ihren Dienst leisten.“
Der dlh appelliert daher an das Hessische Kultusministerium, die geplante Kürzung zurückzunehmen und stattdessen in die Attraktivität des Lehrberufs zu investieren. Hessens Schulen brauchen erfahrene und gesunde Lehrkräfte – und politische Entscheidungen, die diesem Anspruch gerecht werden.
