
Mit Blick auf die nach wie vor zu hohen Unterrichtsausfälle in Thüringen hat Bildungsminister Christian Tischner ein Paket mit 20 Einzelmaßnahmen vorgelegt, das zum Schuljahr 2026/27 wirksam werden soll. Das Maßnahmenpaket soll für weniger Ausfall und gezielte Entlastung von Lehrkräften sorgen.
18.03.2026
Thüringen
Pressemeldung
Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
„Unser Maßnahmenpaket verfolgt ein klares Ziel: mehr Unterricht für unsere Schülerinnen und Schüler, spürbare Entlastung für Lehrkräfte und ein Bildungssystem, das die Erfahrung seiner Lehrkräfte besser nutzt“, erklärte Tischner.
Das Paket geht auf einen Beratungsprozess mit Gewerkschaften und Bildungsverbänden zurück, der seit November 2025 geführt wird. In wesentlichen Bereichen – insbesondere bei der Entlastung, dem freiwilligen Ansparkonto und weiteren Maßnahmen der Unterrichtsabsicherung – konnte dabei eine Verständigung werden.
Ein zentrales Element des Pakets ist das Thüringer Ansparkonto, ein neues freiwilliges Arbeitszeitmodell für Lehrkräfte. Zusätzlich geleistete Unterrichtsstunden können angespart und zu einem späteren Zeitpunkt ausgeglichen werden – etwa vor dem Ruhestand oder in persönlich belastenden Phasen. Das Modell schafft einen Puffer für die Unterrichtsversorgung, ohne Lehrkräfte dauerhaft zu belasten.
Lehrkräfte werden zudem konkret von Bürokratie entlastet: Das bisherige System regelmäßiger dienstlicher Beurteilungen wird abgeschafft, künftig erfolgende Beurteilungen nur noch anlassbezogen. Dokumentationspflichten und Zeugnisformulare werden vereinfacht. Der Kompetenztest in der Klassenstufe 6 entfällt. Mit dem KI-Assistenten „telli“ erhalten Lehrkräfte ein digitales Werkzeug, das bei Unterrichtsvorbereitung und Elternkommunikation unterstützt. Darüber hinaus wird eine landesweit einheitliche Schulverwaltungssoftware eingeführt.
Im Bereich der Lehrkräftegewinnung werden die Ausbildungskapazitäten weiter ausgebaut. Zum Wintersemester 2026 starten außerdem an der Hochschule Nordhausen neue Studienangebote für das Lehramt im MINT-Bereich. Die Lehrergewinnungskampagne wird auf Regelschulen, Förderschulen und den ländlichen Raum neu ausgerichtet. Einstellungsverfahren werden weiter beschleunigt und digitalisiert. Das Seniorberaterprogramm ermöglicht erfahrenen Lehrkräften im Ruhestand, junge Kolleginnen und Kollegen beim Berufseinstieg zu begleiten.
Darüber hinaus hat das Bildungsministerium eine Neuausrichtung der Altersabminderung auf den Weg gebracht. Lehrkräfte ab dem 63. Lebensjahr erhalten künftig 3 Lehrerwochenstunden, ab dem 66. Lebensjahr 4 Lehrerwochenstunden – und damit eine deutlich stärkere Entlastung als nach der bisherigen Regelung, die in diesen Altersstufen pauschal 2 Stunden vorsah. Damit entsteht ein gezielter Anreiz, erfahrene Lehrkräfte über das 63. Lebensjahr hinaus im aktiven Schuldienst zu halten. Der Beginn der Altersabminderung wird gleichzeitig vom 55. auf das 60. Lebensjahr verschoben, ab dem künftig 2 Lehrerwochenstunden gewährt werden. Die Regelung orientiert sich am Rahmen, den die Mehrzahl der Bundesländer setzt.
Das Paket wird ergänzt durch Maßnahmen zur strukturellen Stärkung der Schulen, darunter praxisnahe Materialien zur Schulentwicklung, eine Handreichung zur Leistungsbewertung und verbindliche Kinder- und Jugendschutzkonzepte an allen Thüringer Schulen bis Ende 2026.
Die Maßnahmen wurden den Bildungsverbänden und den Lehrerinnen und Lehrern an den staatlichen Schulen durch den Minister schriftlich übermittelt. Bei den weiteren Umsetzungsschritten werden die Verbände in vereinbarten Unterarbeitsgruppen eingebunden.
Hintergrund:
Altersabminderungsstunden verringern die Zahl der Unterrichtsstunden, die eine Lehrkraft erteilt. Die Gesamtarbeitszeit der Lehrkraft bleibt dabei unverändert. Die durch Abminderung freiwerdende Arbeitszeit wird für andere schulische Aufgaben verwendet. Bislang erhielten Lehrkräfte in Thüringen ab dem 55. Lebensjahr eine Altersabminderung um zwei Unterrichtsstunden pro Woche. Welche konkreten Aufgaben an die Stelle des Unterrichts treten, ist nicht zentral vorgegeben, sondern wird schulintern geregelt. Die Neuausrichtung stellt sicher, dass ein größerer Anteil der Arbeitszeit von Lehrkräften wieder unmittelbar den Schülerinnen und Schülern zugutekommt.
Weitere Informationen unter:
www.BildungTH.de/unterricht
